Presse Von Minis zu Zebras? aus der KN vom 26.11.2004 Fortuna Wellsee stellt die größte Handball-Jugendabteilung im Kreis Kiel Mittwochnachmittag in der Sporthalle Wellsee. Mit lautem Getöse jagen gut 20 Kinder hinter ihren Bällen her. Manch einer tut dies zwar im Trikot von Fußballstar Christian Vieri, aber letztlich spielen doch alle den Ball mit ihren Händen, schließlich sind die Kids beim Handballtraining der Fortunasee-Minis. Vier bis sechs Jahre sind die Kinder alt und mit Begeisterung dabei. Der Sport mit der kleinen Lederkugel ist in bei den Jugendlichen in der Umgebung, 350 Jungs und Mädchen zwischen vier und 18 Jahren gehen für Fortuna auf Torjagd, damit hat der Verein die größte Handball-Jugendabteilung im Kreis Kiel. Wir sind schon stolz darauf, bei den Jungs bis zur B- und bei den Mädchen bis zur A-Jugend Teams stellen zu können, sagt Pressewart Bernd Chomontowski. Auf 15 Teams verteilen sich die jungen Spieler, im nächsten Jahr sind es dann schon 19 Mannschaften mit Jugendlichen aus Wellsee, aber auch aus Nachbardörfern wie Raisdorf und Meimersdorf. Es spricht sich herum, dass wir den Kindern viel bieten. Es geht hier nicht nur um den Handball als solches, wir bieten auch Aktivitäten wie Wochenendtrips nach Grömitz oder Timmendorfer Strand an, das fördert den Zusammenhalt, beschreibt Jugendwart Jens Poggensee, der 1998 mit sechs Jugendlichen im Verein startete, eine Besonderheit der Jugendarbeit. Dazu zählt auch das vom Klub ausgetragene Juniorenturnier im Juli, an dem 88 Mannschaften teilnahmen und es damit zum größten im Kreis Kiel machten. Doch der Zuspruch hat nicht nur positive Aspekte. Wie alle anderen Vereine auch, muss die Fortuna um jede Stunde Hallenzeit kämpfen. Das ist ein großes Problem. Auch mit den anderen Hallen wie zum Beispiel in Meimersdorf müssen wir ständig von links nach rechts improvisieren. Und es wird der Zeitpunkt kommen, an dem Jens Kiddies nach Hause schicken muss, weil wir einfach keinen Platz mehr für sie haben, so Chomontowski. Die Gefahr sieht Poggensee, der die Minis zusammen mit seiner Tochter Nadja (17) und Betreuer Jens Borchert (37) trainiert, auch. Allerdings treibt ihn ein ganz anderer Punkt noch sehr viel eher die Zornesröte ins Gesicht: Die geplante Hallennutzungsgebühr für die Vereine hat mich schlichtweg desillusioniert. Wir versuchen, die Kinder von der Straße zu holen und müssen dafür auch noch bezahlen. Für jemanden wie Poggensee, der mit Herzblut bei der Sache ist, eine schreiende Ungerechtigkeit. Die Folge wird sein, dass wir die Mitgliedsgebühren erhöhen und die Mehrkosten auf die Eltern umwälzen müssen. Viele würden ihre Kinder dann wieder abmelden. Vielleicht würden dann auch Talente wie die zwölfjährigen
Björn und Lukas nicht mehr spielen. Beide agieren in der DJugend
und trainieren nach den Minis, stilsicher mit THWkots und das Vorbild
Stefan Lövgren vor Augen. Irgendwann spielen wir beim THW, sind sie
sich sicher. Teamkollege Bartosc Wack (13) ist da schon einen Schritt
weiter, er spielt in der Kreisauswahl. Für hochtalentierte Spieler
wird Wellsee jedoch lediglich ein Sprungbrett sein, da gibt sich Chomontowski
keinen Illusionen hin: Für professionelle Ausbildungen haben wir
ja gar nicht die Mittel. Allerdings lernen die 22 Jugendtrainer durch
Weiterbildungen stets dazu, das sei sehr wichtig. Engagiert sind alle
im Verein, und Jens Poggensee formuliert treffend: Es zählen bei
uns weniger Titel, sondern eher die Arbeit, die geleistet wird. bm
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